Familiengarten Tipps
Das Foto zeigt drei verschiedene Taubnesselarten in gelb, weiß und lila

Taubnesseln bekämpfen

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An den Taubnesseln der Gattung Lamium scheiden sich die Meinungen der Hobbygärtner: Für die Einen sind Taubnesseln ein sich schnell ausbreitendes Unkraut, für die Anderen eine schöne Bereicherung unter den Wildstauden im Garten. Doch neben diesem Entweder Oder gibt es noch einen ganz ungewöhnlichen Aspekt: Statt Taubnesseln zu bekämpfen, kann man sie selbst im Garten zur Unkrautbekämpfung einsetzen!

Erkennen

Das Foto zeigt eine weiße Taubnessel

Die Taubnesseln der Gattung Lamium gehören zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Das ist recht einfach daran zu erkennen, dass sie vierkantige, meist hohle Stängel haben und die fünfzähligen Blüten eine doppelte Blütenhülle haben und die fünf Kelchblätter zu einer Röhre verwachsen sind. Charakteristisch sind vor allem die Lippenblüten mit einer Blütenkrone aus ursprünglich fünf Blütenblättern, von denen zwei zur Oberlippe und drei zur Unterlippe verwachsen sind.

Die Taubnesseln zählen zu den wichtigsten Trachtpflanzen für Hummeln und andere Wildbienen. Wer also Hummeln dauerhaft im Garten ansiedeln möchte und vielleicht sogar einen Hummelkasten aufgestellt hat, sollte Taubnesseln – egal welcher Art – unbedingt in Sichtweite dieser Hummelnester stehen lassen. Viele Arten blühen nahezu während der gesamten Vegetationsperiode, und die Rote Taubnessel gehört zu den wenigen Winterblühern unter unseren einheimischen Blütenpflanzen. Sie blüht bereits Anfang März bis weit in den Herbst hinein, manchmal sogar schon am Winterende.

Hausmittel und andere Alternativen

Das Foto zeigt einen Teppich aus Taubnesseln

Die meisten Taubnessel-Arten kann man durch Jäten entfernen.

Bei der Weißen Taubnessel reicht das nicht aus. Sie muss man nicht nur jäten, sondern man muss ihre unterirdischen Ausläufer in ihrer gesamten Länge ausgraben.

Die Stängelumfassende Taubnessel bleibt zwar klein, besitzt aber eine tief in den Boden reichende Pfahlwurzel. Man kann sie im Garten dauerhaft fernhalten, wenn man regelmäßig jätet. Dabei sollte jedoch auch die Wurzel vollständig mit aus dem Boden gezogen werden.

Die Gefleckte Taubnessel und auch die Goldene Taubnessel sind eher beliebte Gartenpflanzen als unerwünschte Unkräuter. Dennoch müssen wir auch ihnen Grenzen setzen, damit sie nicht zu wuchern beginnen. Dazu schneidet man sie ringsum zurück oder sticht die ausufernden Triebe der Polsterpflanze mit einem scharfen Spatenblatt ab.

Da die Rote Taubnesseln zu den klein bleibenden Arten zählen und keine tiefreichenden Wurzeln bilden, kann man sie durch Jäten und Hacken problemlos bekämpfen und entfernen.

Taubnesseln einfach stehen lassen

Dort, wo Taubnesseln gute Bedingungen finden – also im Halbschatten oder Schatten von Mauern, Hecken oder unter großen Bäumen –, wachsen sie oft so dicht, dass für andere Gartenpflanzen oder Wildkräuter kaum noch Platz bleibt. Dadurch wirken Taubnesseln im Garten auch indirekt wie eine natürliche Unterdrückung von Unkraut.

Schon gewusst?

Früher wurde die Weiße Taubnessel als Heilpflanze genutzt, denn sie enthält viele ätherische Öle sowie Schleim- und Gerbstoffe.

Im Garten vorkommende Taubnessel-Arten

Weiße Taubnessel (Lamium album)

Das Foto zeigt eine weiße Taubnessel mit ihren rotfarbenen Blättern

Die mehrjährige Weiße Taubnessel wird etwa 20 bis 60 cm hoch. Ihre gestielten Laubblätter können bis zu 7 cm lang werden und stehen gekreuzt gegenüber am Stängel. Der Blattrand ist deutlich gesägt.

Die Stängel sind vierkantig, nur leicht behaart und wachsen aufrecht. Sie verzweigen sich meist nur wenig und zeigen im unteren Bereich häufig eine rötlich-violette Färbung.

Die Blütezeit reicht von April bis Oktober. Mit ihren bis zu 2,5 cm großen weißen Blüten hat diese Art die größten Blüten aller Taubnesseln. Die Blüten sitzen zu fünft bis acht in den Blattachseln und bilden dort sogenannte Scheinquirle. Die Oberlippe der Blüte ist helmförmig.

Die Weiße Taubnessel besitzt einen kurzen Wurzelstock und bildet unterirdische Ausläufer, die sich verzweigen und leicht bewurzeln.

Die Samen verbreiten sich durch Menschen und im Garten vor allem durch Ameisen. Sie keimen im Herbst. Die Keimblätter sind rundlich und haben zwei kleine Öhrchen am Blattgrund. Danach entwickeln sich die ersten Laubblätter, die bereits herzförmig sind und eine abgerundete Spitze sowie einen gekerbten Blattrand besitzen.

In Mitteleuropa ist die Weiße Taubnessel die häufigste Art. Sie wächst an sonnigen bis halbschattigen Standorten und bevorzugt nährstoffreiche Böden. Häufig findet man sie zusammen mit der Großen Brennnessel entlang von Mauern, Zäunen, Hecken oder Sträuchern.

Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)

Das Foto zeigt die Stängelumfassende Taubnessel

Diese Taubnessel-Art wird manchmal – wenn auch nicht ganz korrekt – „Wildes Löwenmäulchen“ genannt. Ursprünglich war sie in Europa, Asien und Teilen Nordafrikas verbreitet. Durch den Menschen gelangte sie nach Nord- und Südamerika sowie nach Neuseeland, wo sie sich als Neophyt ausbreitet. In unseren Gärten findet man sie nur vereinzelt.

Die Stängelumfassende Taubnessel ist ein- bis zweijährig und bleibt mit 10 bis 30 cm verhältnismäßig klein. Sie besitzt jedoch eine tief reichende Pfahlwurzel.

Die verzweigten Pflanzstängel wachsen dicht am Boden liegend bis aufrecht, der obere Abschnitt ist behaart. Die rundlichen Laubblätter haben eine runzelige Oberfläche, der Blattrand ist tief gekerbt. Die unteren Blätter sind gestielt und stehen kreuzgegenständig am Stängel. Die oberen Blätter hingegen umfassen den Stängel – ein charakteristisches Merkmal, nach dem die Art benannt ist.

Die Blütezeit beginnt früh im März, in milden Regionen manchmal sogar schon im Winter, und reicht bis in den Oktober. Jeweils 6 bis 8 rosa bis rote Lippenblüten sitzen in den Blattachseln und bilden einen Scheinquirl.

Diese Taubnessel kann das ganze Jahr über keimen. Die Keimblätter sind gestielt, rundlich und haben zwei Zipfel an der Basis. Die danach folgenden ersten Laubblätter sind ebenfalls rund, zeigen aber bereits deutliche Blattnerven und einen gekerbten Blattrand.

Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum)

Die Gefleckte Taubnessel stammt ursprünglich aus den Laubwäldern Europas und Kleinasiens. In Gärten kommt sie daher nur selten vor, außer der Garten liegt in Waldnähe. Dort wächst sie gern an schattigen bis halbschattigen Plätzen auf lockerem, humus- und nährstoffreichem Boden.

Die mehrjährige Staude wird meist 15 bis 25 cm hoch und hat eine ähnliche Wuchsform wie die Goldnessel. Mit ihren kriechenden Ausläufern, die an den Stängelknoten wurzeln, bildet sie oft dichte Pflanzenteppiche. Ein typisches Merkmal sind die weiß gefleckten Laubblätter.

Die Blätter sind am Rand nesselartig scharf gesägt, besitzen aber keine Brennhärchen wie die Brennnesseln. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Die vergleichsweise großen Lippenblüten stehen in dichten Quirlen übereinander im dicht beblätterten Blütenstand.

Wegen ihrer auffälligen Blattzeichnung wird die Gefleckte Taubnessel nur selten als Unkraut angesehen. Im Gartenfachhandel gibt es sogar mehrere Zuchtsorten, zum Beispiel die weißblühende Sorte „Album“, „Beacon Silver“ mit purpur-rosa Blüten und silbrig-weißem Blattrand, „Chequers“ mit einem schmalen weißen Mittelstreifen auf den dunkelgrünen Blättern oder „Shell Pink“ mit hellrosa Blüten und weißem Längsstreifen auf dunkelgrünem Blattgrund.

Im Garten wuchert die Gefleckte Taubnessel weniger stark als andere Taubnessel-Arten. Ihre Polster lassen sich daher gut mit blau- bis rosa blühendem Lungenkraut, verschiedenen Gartenprimeln oder Salomonssiegel (Polygonatum) kombinieren. Wer das Wuchern einschränken möchte, kann die Pflanzenpolster einfach durch Abstechen mit dem Spaten oder durch Zurückschneiden begrenzen.

Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon)

Das Foto zeigt die Gewöhnliche Goldnessel

Die Gewöhnliche Goldnessel, auch Gold-Taubnessel genannt, ist in fast ganz Europa verbreitet. Als Bewohner schattenreicher Laub- und Auenwälder trifft man sie – ähnlich wie die Gefleckte Taubnessel – im Garten nur selten an. Es sei denn, man hat sie gezielt als dekorative Gartenstaude aus dem Gartenfachhandel gepflanzt. Viele Hobbygärtner schätzen sie wegen ihres Bodendeckers und der reichen Blüte, sodass sie selten als Gartenunkraut betrachtet wird.

Trotzdem kann die Goldnessel irgendwann stark wuchern und sich ausbreiten. Dann ist es nötig, ihr Grenzen zu setzen. Der Unterschied zwischen dem Zurückschneiden einer polsterbildenden, reich blühenden Zierpflanze und dem Bekämpfen eines „Gartenunkrauts“ ist oft gar nicht so groß. Taubnesseln wie die Goldnessel sind typische Grenzfälle: einheimische Wildpflanzen, die im Garten sowohl als Zierpflanzen kultiviert als auch als unerwünschtes Unkraut entfernt werden können. Die Methoden sind in beiden Fällen ähnlich: Man schneidet übermäßige Triebe zurück, entfernt Ausläufer oder gräbt die Pflanze bei Bedarf aus.

Die mehrjährige Goldnessel wird 30 bis 60 cm hoch. Ihre Laubblätter sitzen wie bei den meisten Lamium-Arten kreuzgegenständig am Stängel. Die ei- bis herzförmigen Blätter sind nesselartig, haben einen kerbig gesägten Blattrand und laufen spitz zu. Steile, nicht blühende Triebe biegen sich dem Boden zu und bilden dort kriechende Ausläufer.

Die Blütezeit reicht von April bis Juli. Meist bilden je sechs goldgelbe Blüten einen Scheinquirl in den Blattachseln. Die Unterlippe der Blüte trägt drei spitze Zipfel und ist rötlich bis bräunlich auf gelbem Grund gefleckt. Die Kronröhre ist etwa 2 cm lang und außen behaart.

Rote oder Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum)

Das Foto zeigt die Rote Taubnessel

Die Rote Taubnessel ist eine relativ kälteunempfindliche Art, die vor allem in Nord- und Mitteleurasien verbreitet ist und bis in Höhenlagen von etwa 1.800 m vordringt. Schon seit der Bronzezeit ist sie ein Kulturfolger und besiedelt Unkrautgesellschaften in Weinbergen sowie Brach- und Schuttflächen mit stickstoffreichen Böden. Im Gegensatz zu anderen Taubnesseln ist die Rote Taubnessel ausgesprochen lichtliebend. Außerdem riecht die ganze Pflanze etwas unangenehm.

Die ein- bis zweijährige Pflanze wird nur 10 bis 25 cm hoch. Die Stängel stehen aufsteigend oder aufrecht und sind an der Basis meist verzweigt. Die kreuzgegenständig angeordneten Laubblätter sind herzförmig, haben eine runzelige Oberfläche mit deutlich hervortretenden Blattadern und einen gekerbten bis gesägten Rand.

Die Blütezeit reicht von Anfang März bis Oktober. In geschützten Lagen kann die Pflanze sogar schon im Winter blühen. Die Blüten sind rosa bis purpurrot, ihre Oberlippe helmförmig, ähnlich wie bei der Weißen Taubnessel, und bilden blattständige Scheinquirle.

Die Samen der Roten Taubnessel werden durch Wild, Tiere – vor allem Ameisen – und Menschen verbreitet. Die Pflanze kann das ganze Jahr hindurch keimen, und die Keimpflanzen ähneln in Form und Größe anderen Taubnessel-Arten.

Da die Rote Taubnessel klein bleibt und keine tief reichenden Wurzeln bildet, lässt sie sich im Garten leicht durch Jäten oder Hacken entfernen.