Neben dem Schlitzblättrigen und dem Weichen Storchschnabel, die im Garten oft als Unkraut gelten und die man bekämpfen sollte, gibt es viele weitere einheimische Storchschnabel-Arten, die dekorativ sind und als Trachtpflanzen für Honig- und Wildbienen, besonders Hummeln, wichtig sind. Einige Arten sind selten oder sogar gefährdet, daher lohnt es sich, sie im Garten zu pflegen, statt zu beseitigen.
Schlitzblättriger Storchschnabel (Geranium dissectum)
Der ein- bis zweijährige Schlitzblättrige Storchschnabel wird, abhängig von den Standortbedingungen, zwischen 10 und 50 cm hoch. Die verzweigten Pflanzenstängel wachsen aufrecht oder aufsteigend. Die langgestielten, gefingerten Laubblätter laufen in spitze Zipfel aus und sind auf Ober- und Unterseite rau behaart.
Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober. Die kleinen, hellpurpurfarbenen Blüten stehen meist zu zweit an einem Stiel, der kürzer ist als sein Tragblatt. Der Schlitzblättrige Storchschnabel besitzt eine dünne, kurze Pfahlwurzel. Die Samen werden durch Fortschleudern, Wind, Regen sowie durch Menschen und Tiere verbreitet.
Die langgestielten Keimblätter sind leicht asymmetrisch nierenförmig. Die ersten Laubblätter sind ebenfalls lang gestielt und fast kreisrund, allerdings gelappt.
Verbreitung und Vorkommen
Der Schlitzblättrige Storchschnabel wächst an sonnigen bis halbschattigen Plätzen, vor allem auf lockeren, kalkarmen, aber nährstoffreichen Böden. In der Landwirtschaft und im Garten findet man ihn häufig dort, wo Kartoffeln angebaut werden.
Schlitzblättrigen Storchschnabel im Garten bekämpfen
Den Schlitzblättrigen Storchschnabel kannst du durch gründliches Jäten und Hacken entfernen. Chemische Bekämpfungsmittel sind dafür nicht notwendig.
Weicher Storchschnabel (Geranium molle)

Der Weiche Storchschnabel wird auch Samt-Storchschnabel oder Taubenschnabel genannt.
Er ist eine einjährige Art und wird 10 bis 30 cm hoch. Die Pflanzenstängel sind dünn und weich, wachsen meist niederliegend, seltener aufsteigend, und sind verzweigt. Oberhalb sind sie mit Drüsen-Härchen besetzt. Die nierenförmigen Laubblätter sind 5 bis 9-spaltig, die Blattstiele behaart.
Die Blütezeit reicht je nach Standort von Mai bis Oktober. Meist stehen zwei der purpurfarbenen Blüten dicht beieinander. Blütenstiel und Kelch sind mit langen Haaren und Drüsenhärchen besetzt. Die Samen werden, ähnlich wie beim Schlitzblättrigen Storchschnabel, vor allem durch den Schleudermechanismus der sich öffnenden Früchte verbreitet. Die Pflanzen keimen im Herbst. Die Keimblätter sind nierenförmig und lang gestielt. Auch die ersten Laubblätter danach sind lang gestielt, rundlich und tief eingekerbt.
Verbreitung und Vorkommen
Geranium molle ist in Europa weit verbreitet und kommt vor allem an sonnigen, trockenen Standorten wie Heidelandschaften, Wegrändern, Halbtrockenrasen oder Schuttplätzen vor. Auch im Garten ist er teilweise recht häufig zu finden.
Weichen Storchschnabel im Garten entfernen
Den Weichen Storchschnabel kann man sehr einfach durch Jäten bekämpfen. Eine Bekämpfung mit chemischen Mitteln ist nicht notwendig.
Felsen-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum)

Der Felsen-Storchschnabel, auch Balkan- oder Großwurzeliger Storchschnabel genannt, kommt vor allem auf dem westlichen Balkan vor, ist aber in Mitteleuropa, unter anderem in Österreich, ebenfalls heimisch. In Deutschland wurde er vor einigen Jahrzehnten als Neophyt eingeschleppt und breitet sich dort inzwischen weiter aus.
Im Gebirge kann er bis in Höhenlagen von über 2.000 m ü.NN vorkommen. Der Felsen-Storchschnabel ist mehrjährig, wird bis zu 50 cm hoch und besitzt ein kurzes, aber kräftiges Rhizom.
Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense)

Der Wiesen-Storchschnabel ist vor allem in Mittel- und Osteuropa verbreitet und kommt in Deutschland, mit Ausnahme des Nordens, regelmäßig vor. Er besiedelt Feucht- und Fettwiesen sowie Gräben auf kalk- und lehmhaltigen Böden. Die Pflanze wird bis zu 60 cm hoch und trägt Blüten von bis zu 4 cm Größe mit blau-violetten, dunkel geaderten Kronblättern.
Stinkender Storchschnabel (Geranium robertianum)

Der Stinkende Storchschnabel wird auch Ruprechtskraut genannt. Das Ruprechtskraut kommt weltweit in den gemäßigten Klimazonen vor. Es besiedelt Wälder und Schluchten, Felsen, Waldränder sowie schattige Mauern und Hecken. Die ganze Pflanze riecht ziemlich unangenehm – daher auch der Name „Stinkender Storchschnabel“. Dieser Geruch schützt die Pflanze vermutlich vor Fressfeinden, lockt aber gleichzeitig Fliegen und andere Insekten als Bestäuber der Blüten an.
Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum)

Der Blutrote Storchschnabel kommt in fast ganz Europa vor, nur im Norden ab etwa 60° nördlicher Breite fehlt er. Diese mehrjährige Art wird bis zu 60 cm hoch. Die einzeln stehenden Blüten sind bis zu 3 cm groß und purpurrot gefärbt.
Schon gewusst?
Der Name „Blutroter Storchschnabel“ bezieht sich weniger auf die Blütenfarbe, sondern darauf, dass die Pflanze, insbesondere ihre Blüten, früher als blutstillendes Heilmittel genutzt wurde. Im Herbst färbt sich die ganze Pflanze blutrot.
Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum)

Der Wald-Storchschnabel kommt in fast ganz Europa vor, ausgenommen im Süden. In Deutschland tritt er bisher nur vereinzelt auf. Er besiedelt vor allem Misch- und Auenwälder, feuchte Bergwiesen sowie Hochstaudenfluren. Diese mehrjährige Art wird bis zu 60 cm hoch, hat große, handförmige Laubblätter und blüht im Juni und Juli in rot-violetten Tönen.