Ein Hummelnest ist ein Ort, an dem hunderte Hummeln zusammenleben und arbeiten. Auf den ersten Blick wirkt es unordentlich, es steckt jedoch viel Leben und Struktur darin.
Wie sieht ein Hummelnest aus?

Ein Hummelnest ist oft kugelig bis unregelmäßig geformt. Es besteht aus einer wachsartigen Substanz. Dieses Hummelwachs produzieren die Hummeln selbst. Es wird von speziellen Drüsen am Hinterleib abgesondert.
Ein Hummelnest enthält kleine wachsartige Töpfchen. In den Töpfchen lagern die Hummeln Nektar und Pollen. Außerdem beinhaltet das Hummelnest Brutzellen für die Entwicklung der Larven.
Das Nest wirkt auf den ersten Blick chaotisch und weniger ordentlich als beispielsweise ein Bienenstock. Die Wabenstruktur der Hummeln ist nicht regelmäßig. Die unregelmäßig geformten Wachstöpfchen scheinen wahllos aneinandergereiht zu sein. Hummelvölker sind mit 50 bis 500 Individuen klein und brauchen keine spezielle „Architektur“ für ihren Nestbau.

Wo bauen Hummeln ihre Nester?
Hummeln bauen ihre Nester an geschützten, ruhigen Orten. Oftmals findet man ein Hummelnest unterirdisch in alten Mäuse- oder Kleinsäugerhöhlen im Boden. Es gibt auch Hummel-Arten, die oberirdisch, z. B. in einem Komposthaufen, in Vogelnistkästen, oder Dachböden nisten.
Aber auch aufgestellte Hummelnistkästen werden von Hummeln gerne zum nestbau angenommen.

Wie groß wird ein Hummelnest?
Ein Hummelnest wird etwa 10 bis 30 Zentimeter groß, abhängig von der Hummelart und dem Standort. Die Größe des Volkes variiert stark: Es gibt Arten, wie die Wiesenhummel, die Nester mit nur 50–100 Tieren bilden. Größere Arten wie die Erdhummel baut Kolonien mit bis zu 500 Hummeln.
Im Vergleich zu einem Bienstock sind Hummelnester klein und überschaubar.

Das Hummelvolk im Jahresverlauf
Um verstehen zu können, wie ein Hummelnest wächst ist es wichtig, das Leben eines Hummelvolkes im Jahresverlauf anzuschauen.
Befruchtes Weibchen im Sommer
Im Sommer beginnt mit einem befruchteten Weibchen ein neuer Lebenszyklus des Hummelvolks. In der dritten Generation schlüpfen junge Hummelweibchen, fliegen eine Zeit lang umher und paaren sich mit männlichen Hummeln, den sogenannten Drohnen. Nur die befruchteten Weibchen überleben den Winter und sorgen im nächsten Jahr für neue Völker.
Warum die Hummeln im Spätsommer plötzlich statt Arbeiterinnen Männchen und Weibchen hervorbringen, ist noch unklar. Mögliche Gründe sind das veränderte Nahrungsangebot, bestimmte Hormone oder die zunehmende Größe des Volkes.

Sterbeprozess der Arbeiterinnen und der alten Königin im Herbst
Im Spätsommer gibt es immer mehr Streit im Hummelnest. Die Arbeiterinnen fressen manchmal sogar die frisch gelegten Eier der Königin. Die Königin muss ihr Nest teilweise sogar gegen das eigene Volk verteidigen. Es wird für die Königin immer schwerer, ihre Macht zu behalten. Auch die Arbeiterinnen werden untereinander immer aggressiver.
Die Arbeiterinnen und die frisch geschlüpften, jungen Männchen meiden sich oft und fliegen in verschiedene Gebiete.
Schon gewusst?
Viele Arbeiterinnen sterben außerdem, weil sie von Larven der Dickkopffliege befallen werden.
Am Ende des Sommers sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen. Nur die befruchteten Jungköniginnen überleben. Sie suchen sich einen geschützten Ort für den Winter, zum Beispiel in einer Mauer oder unter der Erde, wo sie sich bis zu 15 Zentimeter tief eingraben.
Schon gewusst?
In den Tropen haben es Hummeln leichter: Zum Beispiel bringt die brasilianische Art Bombus atratus mehrmals im Jahr neue Generationen hervor – ganz ohne Winterpause wie bei uns in Europa.
Nur wenige Jungköniginnen übersteht den Winter

Die jungen Königinnen unserer heimischen Hummelarten haben es schwer. Parasiten, wie Fadenwürmer können in ihrem im Darm überwintern. Das schwächt die Hummeln so sehr, dass sie im Frühjahr kein neues Volk gründen können und sterben.
Im Winter leben die Königinnen von ihren im Herbst gespeicherten Energiereserven. Erst mit den ersten Flügen zu blühenden Trachtpflanzen können die Hummelköniginnen nutzen, um sich mit dem Blütennektar und den darin enthaltenen Zuckersäften zu stärken und ihre Energiereserven langsam wieder aufzufüllen.
Diese enorme Dauerbelastung überleben nur wenige Jungköniginnen. Durchschnittlich überlebt von 10 bis 30 im Herbst befruchteten Weibchen nur eine einzige.
Nestbau und Eiablage

Wenn die Hummelkönigin ihr Nest fertig gebaut und ausgepolstert hat, fliegt sie aus, um Nektar und Pollen zu sammeln. Damit füllt sie den Honigtopf und die Pollentöpfchen im Nest.
Erst danach kann sie Eier legen und diese warm halten. Um die dafür notwendige Bruttemperatur von bis zu 40o Celsius zu erreichen, lässt sie ihre Flugmuskeln im Thorax vibrieren, um von dort das erwärmte Blut in den Hinterleib zu pumpen. Dann legt sie ihr Abdomen über die Brutkammern, um das Gelege warm zu halten.
Arbeitsteilung unter den Arbeiterinnen des Hummelvolks

Wenn die Larven aus den Eiern schlüpfen, muss die Hummelkönigin sie zuerst allein füttern, bis sie sich verpuppen. Aus den Puppen schlüpfen dann die ersten Arbeiterinnen – meist nur 10 bis 15. Sie helfen beim Sauberhalten und Ausbau des Nests. Bald folgen viel mehr Larven, oft bis zu 50. Mit der zweiten Generation wird das Volk so groß, dass sich eine Arbeitsteilung bildet: Einige Arbeiterinnen bleiben im Nest, kümmern sich um die Brut und verteidigen das Nest. Andere fliegen als Sammlerinnen los, um Nektar und Pollen zu holen.
Der Hummeltrompeter
Bei Dunklen Erdhummeln wurde beobachtet, dass morgens eine Arbeiterin am Nesteingang mit den Flügeln schwirrt und dabei brummt. Man nennt sie deshalb „Hummeltrompeter“. Anfangs dachte man, sie würde die anderen wecken. Später stellte sich heraus, dass sie frische Luft ins Nest fächelt – wie ein Ventilator.
Hummelvolk am Ende des Sommers

Bis zum Hochsommer wächst das Hummelvolk zu seiner maximalen Bewohnerzahl an: Das können je nach Hummelart zwischen 50 und 500 Hummeln sein.
Im Hochsommer verändert sich das Hummelvolk. Die Königin legt nun weniger Eier, aus denen Arbeiterinnen schlüpfen, und mehr Eier, aus denen Männchen und Weibchen entstehen. Diese fliegen eine Zeit lang umher, sammeln Nektar und Pollen, und treffen sich dann zur Paarung. Die befruchteten Weibchen können später als Jungköniginnen überwintern und im nächsten Jahr ein eigenes Volk gründen.
Hummelarten und ihre bevorzugten Nistplätze
Zu den ausschließlich oberirdisch nistenden einheimischen Hummeln zählen die Baumhummeln. Sie legen ihre Nistkugeln in Hohlräumen in Trockenmauern, Vogelnistkästen, unter Dachvorspringen, in Viehställen und Scheunen oder in Gartenhütten an. Die Nestkugel wird dann mit Tierhaaren, Holzwalle oder Pflanzenfasern ausgepolstert.
Die Wiesenhummel legt ihr Nest vor allem in oberirdischen Hohlräumen an.
Die Hellgelbe Erdhummel lebt überwiegend in Bodennähe. Die Hummelkönigin legt dazu ein eigenes Nest in der Kraut- oder Moosschicht an.
Die Dunkle Erdhummel, unsere häufigste und am weitesten verbreitete Hummelart, legt ihr Nest dagegen fast ausschließlich unterirdisch an, beispielsweise unter Steinen oder im Gang eines verlassenen Maulwurf- oder Wühlmausbaus. Sind die ersten Eier bereits gelegt oder die Larven geschlüpft, dann versucht die Hummelkönigin potentielle Feinde vom Nest abzuhalten, indem sie zum Schein nach einem anderen Nistplatz sucht.
Auch die bei uns seltene Feldhummel legt ihr Nest unterirdisch an. Sie nutzt dazu oft ein aufgegebenes Mäusenest als Nistplatz.
Die Gartenhummel legt ihr Nest auf oder dicht unter der Bodenoberfläche an, kann dazu aber auch aufgegebene Nester von Singvögeln oder Mäusen nutzen.
Besonders flexibel in der Wahl ihrer Nistplätze sind die Steinhummeln. Die Königin nutzt dafür Spalten und Nischen in Felsen und Mauern, verlassene Vogelnistkästen oder unbewohnte Mäusegänge. Oder sie legt ihr Nest im offenen Gelände auf einer Naturwiese, an Wegrändern, auf einer Waldlichtung, unter einer Hecke oder in einem Gebüsch an.
Auch die Ackerhummel stellt keine besonderen Ansprüchen an den Nistplatz. Sie nutzt dafür unter- und oberirdische Nistkästen, verlassene Schuppen, Scheunen oder einen Dachstuhl. Hauptsache sie findet genügend Nistmaterial in der näheren Umgebung, wie Moos, Heu oder Stroh und Holzwolle. Sie nutzt sogar Strickwolle.

Hummelkönigin bei Nistplatzwahl unterstützen
Um einer Hummelkönigin beim Nestbau zu helfen und dafür zu sorgen, dass Hummeln auch in Zukunft im Garten leben, kann man eine künstliche Nisthilfe mit passendem Nistmaterial anbieten. Hierfür eignet sich ein Hummelnistkasten. Wichtig ist, vorher zu wissen, welche Hummelart im Garten vorkommt und welche Nistplätze, ober- oder unterirdisch, diese Art in der Natur bevorzugt.
