Wer zum ersten Mal eine Packung Anemonenknollen öffnet, erlebt oft eine kleine Enttäuschung. Man erwartet pralle Zwiebeln. Stattdessen hält man schrumpelige, harte Klumpen in der Hand. Sie sehen leblos aus. Fast wie vertrocknete Rosinen oder kleine Steine. Viele Hobbygärtner machen nun den Fehler und stecken diese vermeintlich toten Gebilde einfach so in die Erde. Die Hoffnung ist groß. Das Ergebnis ist aber oft ernüchternd. Entweder passiert gar nichts oder es kommen nur spärliche grüne Blätter zum Vorschein. Die prachtvollen Blüten, die auf der Verpackung so verlockend leuchteten, bleiben aus. Doch das liegt selten an schlechter Qualität. Es fehlt schlichtweg der entscheidende Startimpuls.
Das belebende Wasserbad wirkt Wunder
Der wichtigste Schritt passiert, noch bevor man überhaupt den Spaten in die Hand nimmt. Die harten Knollen der Anemone Blume sind extrem dehydriert. Sie befinden sich in einer Art tiefem Ruhezustand. Um die Lebensgeister zu wecken, müssen sie rehydriert werden. Das klingt kompliziert. Ist es aber nicht. Man nimmt eine Schale mit lauwarmem Wasser. Bitte kein heißes Wasser verwenden, das würde das Gewebe zerstören. Dort hinein legt man die Knollen. Nun heißt es warten. Lassen Sie die Anemonen für zehn bis zwölf Stunden baden. Am besten einfach über Nacht stehen lassen. Am nächsten Morgen traut man seinen Augen kaum. Die winzigen Schrumpeldinger haben sich verwandelt. Sie sind auf die doppelte Größe angeschwollen. Sie fühlen sich prall und lebendig an. Erst durch dieses Aufquellen werden die Hormone in der Knolle aktiviert, die das Wachstum steuern.
Das Rätsel um Oben und Unten lösen
Nach dem Quellen stehen Gärtner oft vor dem nächsten Problem. Wo ist bei diesem knubbeligen Ding eigentlich oben und wo ist unten? Bei einer Tulpe ist das einfach. Sie hat eine Spitze. Bei der Anemone sucht man vergebens nach einer klaren Orientierung. Man dreht und wendet die Knolle. Es sieht alles gleich aus. Manchmal erkennt man leichte Narben von alten Wurzeln. Das wäre dann die Unterseite. Manchmal sieht man eine kleine Delle, aus der der Stängel kommen könnte. Aber oft bleibt es ein Ratespiel. Hier kommt die gute Nachricht zur Beruhigung. Es ist fast egal. Wenn Sie sich unsicher sind, pflanzen Sie die Knolle einfach seitlich ein. Die Pflanze verfügt über einen natürlichen Orientierungssinn. Physiker nennen das Gravitropismus. Die Wurzeln finden automatisch den Weg nach unten. Der Trieb sucht sich den Weg zum Licht.
Der perfekte Boden für dauerhaftes Glück
Der Start ist nun geglückt. Aber damit die Anemone auch wirklich blüht, muss das Umfeld stimmen. Diese Pflanzen hassen nasse Füße mehr als alles andere. Staunässe ist ihr sicheres Todesurteil. Der Boden muss also locker und durchlässig sein. Ist die Erde im Garten sehr schwer und lehmig, sollte man unbedingt Sand oder feinen Kies untermischen. Das sorgt für eine gute Drainage. Das Wasser muss ablaufen können. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein. Je mehr Sonne, desto besser, solange der Boden nicht komplett austrocknet. Wenn dann im Frühjahr oder Frühsommer die ersten papierartigen, leuchtenden Blütenblätter aufgehen, ist die Freude riesig.